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Man könnte sie beinahe schon als lebende Fossilien bezeichnen, denn erste Funde von Libellen (wissenschaftlich Odonata) sind älter als 300 Millionen Jahre, womit sie um einiges älter sind als zum Beispiel Dinosaurier, die vor 65 Millionen Jahren ausstarben. Ihr Bauplan scheint für ihre Lebensweise über diese Zeitspanne perfek-tioniert worden zu sein, denn die heutige Libelle ist im Grunde bis auf Körpergröße mit ihren Millionen Jahre alten Verwandten nahezu ident. Da im Karbon-Kohlezeitalter (vor ca. 300 Millionen Jahren) der Sauerstoffanteil in der Luft erheblich höher war, konnten Libellen und andere Insekten um einiges größer

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O d o n a t a

werden. Zum Vergleich: die größte Libelle heute hat eine Flügelspannweite von 20 cm, damals waren sie mit bis zu 70 cm gefürchtete Jäger mit nur wenig Feinden.

Mit 30 000 Einzelaugen, 30 Farbrezeptoren (im Gegensatz zu unseren 3), nahezu 360° Sicht und 4 unabhängig voneinander bewegbaren Flügeln ist die Libelle der Schrecken der Lüfte in der Insektenwelt. Dazu kommen noch eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und Flugmanöver, die keine andere Spezies zu vollbringen vermag, was sie sogar für kleine wendige Vögel schwer zu erbeuten macht.

Doch das faszinierendste an diesen Tieren ist, dass sie das alles mit nur 16 einzelnen von den Augen zu den Flügeln führenden großen Nervenzellen vollbringen, was verglichen mit 86 Milliarden Nervenzellen beim Men-schen umso beeindruckender ist.

In Österreich kommen derzeit 77 Libellenarten vor, es beherbergt mit der Sibirischen Azurjungfer (Coenagrion hylas) eine Art, die in Europa nur hier und auch nur an wenigen Fundorten vorkommt.

Eine echte Rarität und vom Aussterben bedroht ist die Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum), die noch am Fuße des Leithagebirges im Nordburgenland in Quellgräben, in verschlammten Wiesenbächen und Gräben mit Hochstaudenfluren in sonnenexponierten Lagen zu finden ist.

Libellen brauchen Feuchtgebiete – der Klimawandel lässt sie schwinden, ebenso Sediment- und Nährstoffeintrag in Fließgewässer infolge intensiver Landwirtschaft, fehlender Blütenreichtum auf Wiesen, fehlende ungenutzte Bereiche oder Zerschneidung von Talräumen, durch Straßenbau etc.

Mythologisch wird die Libelle häufig als wichtiger Begleiter dargestellt. Die Germanen glaubten, die Libellen würden die Göttin Frigg (die schöne Himmelskönigin) dabei unterstützen, mit alten Seelen in Kontakt zu treten. Die Kelten betrachteten die Libellen als kleine fliegende Drachen, welche Feen und Elfen als Transportmittel nutzten. Besonders im asiatischen Raum sind Libellen von Bedeutung: Sie stehen für Lebenskraft, Mut, Wohl- stand und Glück. Auch einige uramerikanischen Kulturen verehrten sie für ihre Beweglichkeit und ihre akrobatischen Flugmanöver.

Bilder: Sabine König, Obfrau

Verein Initiative Welterbe Fertö-Neusiedler See

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